Glücklichsein läßt uns länger leben (anti-aging)

Als bahnbrechend wird in wissenschaftlichen Kreisen die sogenannte „Nonnen-Studie“ zitiert, die sich durch einen Zufall ergeben hatte: In den  30er Jahren hatte der Abt die Novizinnen gebeten einen kurzen Lebenslauf zu schreiben. Da las man also entweder: „Das vergangene Jahr … war sehr glücklich. Nun bin ich voll erwartungsvoller Freude …“ oder aber: „Mit Gottes Hilfe will ich das Beste für unseren Orden …“. Nun, diese Pflichtorientierte wurde 59 Jahre alt, ihre glückliche Kollegin „voller Freude“ ganze 98.
Im Jahr 2000 konnte die amerikanische Forschergruppe um Danner eine Inhaltsanalyse dieser Lebensläufe vornehmen, welche die 18-32 Jahre alten angehenden Nonnen beim Eintritt geschrieben hatten.
Es zeigte sich, dass diejenigen der 178 Nonnen, die damals überwiegend positive Begriffe wie z.B. „Glück“, „Freude“, „göttliche Liebe“ etc. geschrieben hatten, in der Folge durchschnittlich 10 Jahre länger lebten als ihre Mitschwestern.
Der Vergleich ist deshalb so interessant, weil Nonnen weitgehend dieselbe Lebensform praktizieren, was bei anderen Zielgruppen sehr selten zu finden ist. Deshalb ist die Interpretation des Ergebnisses auch höchst legitim, weil sich sonst kaum Faktoren finden, die ursächlich  wären, als die Ausrichtung der persönlichen Haltung bzw. Einstellung.
Allerdings wird vor einer Generalisierung gewarnt, denn Nonnen führen ein im Vergleich zu anderen Menschen ziemlich streßbefreites Leben. So läßt es sich leichter alt werden, gilt Stress doch als einer der größten Killer in puncto Lebenserwartung.
Eine neuere Meta-Studie des bekannten europäischen Glücks-Experten Veenhofen aus den Niederlanden brachte 2008 zutage, dass generell, (dazu muss man also keine Nonnen sein), glückliche Menschen zwischen sieben und zehn Jahre länger leben.
Man wird also nicht nur älter, sondern auch glücklicher älter.

Quellen:
Danner, D.P., et al. (2001), Positive emotions in early life and longevity: Findings from the Nun-study. J.Pers.Soc.Psychol., 80, 804-813
Veenhoven, R. (2008), Effects of happiness on physical health and the consequences for preventive health care. J.Happ.Studies, 9, 449-469

 

Arbeit = Fitness-Training fürs Gehirn ?

Die Versuchspersonen waren zwischen 60 und 64 Jahren alt: es ging um die Gedächtnisleistung. Zwei amerikanische Forscher baten um das Erinnern einer Liste von zehn Wörtern, und zwar sofort nach der Präsentation und noch einmal nach zehn Minuten.
Ihr Ergebnis war so trivial wie beeindruckend: Wer noch im Beruf stand, konnte die Begriffe deutlich besser erinnern, hatte also gewissermassen ein noch trainiertes, geschmiertes Gehirn verfügbar. Selbst auf ganze Nationenen konnten die Ergebnisse ausgeweitet werden. So waren die Versuchspersonen aus Ländern mit längerer Arbeitszeit wie USA, England, Dänemark oder Schweden nachweislich kognitiv besser als in Ländern mit früherem Renteneintritt wie Frankreich, Belgien oder Italien (Deutschland lag übrigens in der Mitte dieses rankings). Dieses Forschungsergebnis, dass Gehirnarbeit das Gehirn fit hält, war schon früher einmal erbracht worden, wo man den IQ-Abfall von über zwanzig Punkten feststellte, sobald jemand drei Wochen reinen Passiv-Urlaub absolvierte. Also, ob Sudoku, Kreuzworträtsel, Kindern, Kranken oder Alten vorlesen, Serendepity im Netz betreiben, Essen auf Rädern ausfahren oder auch als graue Eminenz sein Brot noch durch Arbeit erwirtschaften, all das hält das Gehirn erfolgreich aktiv. Zum Wohl für einen selbst, und nicht zuletzt für seine Lieben, für die man in Augenhöhe respektabel bleibt.

Rohwedde S., Willis R.J., Mental retirement., J.of Economic Perspektives 2010, 24/1, 119-138